Die Historie

Erleben Sie Geschichte hautnah - besondere Stücke von der Kaiserzeit bis heute

Porzellan Kacheln

Seit seiner Gründung engagiert sich der Förderverein Porzellan- und Kachelmuseum Tirschenreuth e.V. mit Leidenschaft für den Erhalt und die Vermittlung regionaler Handwerkskultur. Bereits in den frühen 1990er-Jahren schlossen sich Bürgerinnen und Bürger aus Tirschenreuth zusammen, um historische Bestände zu sichern und eine dauerhafte museale Heimat für das Porzellan zu schaffen. 1994 unterstützte der Verein erstmals aktiv den Aufbau einer Sammlung und begleitete Ausstellungen mit ehrenamtlicher Arbeit.

 

In den 2000er-Jahren folgten wichtige Schritte: 2003 wurden gezielt Ankäufe seltener Service und Formen ermöglicht, 2008 starteten regelmäßige Führungen, Vorträge und Aktionstage für Schulen. Mit wachsender Mitgliederzahl entwickelte sich der Verein zu einer tragenden Säule der Museumsarbeit. 2015 beteiligte er sich maßgeblich an der Neugestaltung von Präsentationsräumen und der Erweiterung der Sammlung um zeitgenössische Stücke.

 

Ein besonderer Meilenstein war 2020 die Mitwirkung an der Weiterentwicklung des Museumsquartiers als lebendiger Kulturort. Seither organisiert der Verein Veranstaltungen, Märkte und thematische Begegnungen rund um Porzellan, Handwerk und regionale Geschichte. Heute verbindet er Bewahren und Beleben gleichermaßen – als engagiertes Netzwerk, das Tradition schützt, Neues anstößt und die Porzellankultur kontinuierlich in die Zukunft trägt.

Historie Porzellan

Die Gründerjahre der Fabrik - 1830-1838

Tirschenreuth von Westen, Zeichnung etwa um 1840
etwa 1840

Tirschenreuth von Westen, Zeichnung etwa um 1840

Dezember 1830

Im Kreis-Intelligenz-Blatt für den Obermainkreis vom Dezember 1830 stand folgende Meldung zu lesen: "Bei dem Pfarrdorfe Wondreb ( heutige Gebartshöhe) ... wurde ein Lager von Porzellanerde entdeckt, welche an vielen Stellen zu tage geht. Diese Porzellanerde ist sehr fein und weiß, und soll eine der besten seyn.... und sich rein weiß brennt." Da seinerzeit das Landgericht Tirschenreuth zum Obermainkreis, dam späteren Regierungsbezirk Oberfranken, zählte, ist es erklärlich, daß diese Meldung auch in Schney gelesen wurde. Der Fabrikbesitzer Heinrich Eichhorn, der seit 1782 in Schney bei Lichtenfels eine eigene Produktionsstätte besaß unternahm nach eigenen Worten sofort eine Reise, um diese Angaben zu prüfen. Er fand tatsächlich Porzellanerde vor, kaufte daraufhin die Gruben um sie für seinen Betrieb in Schney zu sichern. Auch wurde das "Graserische Wohnhaus" in Tirschenreuth gekauft, zweifellos, schon im Hinblick auf einen Verwendungszweck als spätere Fabrik.

08. November 1832

Der Fabrikant Heinrich Eichhorn aus Schney beantragte daraufhin beim Kgl. Landgericht in Tirschenreuth die Genehmigung zur Errichtung einer Porzellanfabrik. Er wies bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß die Fabrik vielen Menschen, z.B. Handwerkern, ... Arbeit geben würde. Einem sehr empfindlichen Punkt, dem der Brennholzversorung, näherte er sich sehr vorsichtig, indem er beruhigend darlegte, daß er gar nicht vorhabe, das von ihm gekaufte Gebäude zu vergößern. Auch wolle er das Geschirr von 4 bis 6 Wochen sammeln und dann erst einen Brand machen. Für diesen Zweck bedürfe er jährlich nur 100 Klafter Scheitholz. Die Stadt protestierte energisch gegen die Ansiedlung der Porzellanfabrik und bekundete am 14. Januar 1833 in einem Protokoll ihre Ablehnung: "Die Errichtung einer Porzellanfertigung ist weder notwendig noch nützlich und wird daselbst wenig gekauft, weil die hiesigen Töpfer alerley nützlich und brauchbare Geschirre selbst anfertigen." Allerdings lassen sich 1842 in Tirschenreuth nur 4 Hafner nachweisen. Ein weiterer Kritikpunkt war: "Die Etablierung einer solchen Fabrik würde den gegenwärtigen Holz-Zustand noch mehr in Anspruch nehmen ..."

1. Mai 1833

Schließlich kam es doch zu einer Einigung und am 1. Mai 1833 entschied die kgl. Regierung des Obermainkreises in einer Verfügung, nach diversen Gutachten von Sachverständigen, zu Gunsten des Bewerbers. Die ersten Porzellane dürften nur wenig später, noch 1833 oder 1834 in der kleinen Fabrik produziert worden sein, da in einem Gesuch vom 02. Juni 1834 Karl Gagel als "Werkmeister der hiesigen Porzellanniederlage" tätig war. Derselbe Karl Gagel ist bei der Volkszählung von 1836 als Eigentümer von Haus Nummer 19 genannt, unter dieser Adresse sind auch "5 Arbeiter" vermerkt. Viele Mitarbeiter dürften zu dieser Zeit aus der Fabrik von Heinrich Eichhorn in Schney stammen.

1838

Abschluß der Baumaßnahmen und Aufnahme der Produktion mit einem Brennofen. Die Produktionspalette um-faßte zunächst Pfeifenköpfe, Becher und Einzelartikel.

So dürfte die Fabrik ab 1838 ausgesehen haben.
1838

So dürfte die Fabrik ab 1838 ausgesehen haben.

1838-1843

Tirschenreuth Farbzeichnung um 1840
etwa 1840

startete der Weiterbau und Produktion in der neu erbauten Porzellan-fabrik in Tirschenreuth. Anfangs wurde das Personal von der Eichhornschen Fabrik in Schney nach Tirschenreuth versetzt. 1. Werkmeister war damals Karl Gagel aus Schney.
Zu einem Gesuch um Ansässigmachung, das der Dreher Heinrich Rohmann aus Schney bei der Stadtverwaltung einreichte, urteilte diese am 18. Januar 1836: "Die hiesige neuerrichtete Porzellanfabrik ist blos eine Filial von der zu Schney & übt ihr Geschäft auch nur als solche aus, kann demnach in kurzem wieder eingehen..."
Intensiv nachweisbar ist die Tätigkeit der Porzellanfabrik Tirschenreuth erst ab 1839 durch die laufenden Eintragungen in einem Kassenbuch. Es dürften zu diesem Zeitpunkt etwa 20 Männer beschäftigt worden sein, 10 davon werden als Dreher bezeichnet, darüberhinaus ein Kapseldreher, ein Brenner und ein Brennhausarbeiter, dazu kommen ein Massemüller, ein Massekocher und verschiedene Tagelöhner, die mit Hilfsarbeiten, Packen, Sortieren, Holzhauen u.ä. beschäftigt wurden.
Es ist anzunehmen, das bis Ende 1842 ausschließlich Weisswaren produziert und diese, wenn notwendig. in Schney bemalt wurden.

1838

Abschluß der Baumaßnahmen und Aufnahme der Produktion mit einem Brennofen. Die Produktionspalette um-faßte zunächst Pfeifenköpfe, Becher und Einzelartikel.

einer der ersten Pfeiffenköpfe in Weißporzellan
1838/1840

einer der ersten Artikel waren Pfeiffen-köpfe in Weißporzellan. Die Bemalung dürfte von der Eichhornschen Porzellanfabrik in Schney stammen.

1842/43

Erst ab Frühjahr 1843 ist ein Sigmund Schuster als Blaumaler erwähnt. Betriebsleiter war ab 1842 Konrad Kaufmann, er stammt aus einer Familie, deren Mitglieder in Schney als Dreher oder Maler tätig waren und die auch verwandschaftliche Beziehungen zu den Eigentümern aufwiesen.
Die Fabrik hatte in der gesamten Besetzung erhebliche Ausgaben. 1839 waren dies 7.513 Gulden, im Folgejahr noch 5.843, in der Hauptsache Personalkosten. Die Bezahlung war unterschiedlich, Karl Gagel als Werkmeister erhielt ein monatliches Gehalt von 30 Gulden.

hoher orientalischer Kaffeebecher - auch Türkenkoppchen genannt flacher orientalischer Kaffeebecher - auch Türkenkoppchen genannt
1838-1842

Bei den gefertigten Produkten handelte es sich um einfache Massenware, Wasser-kannen, Nachttöpfe, Wasserschalen udgl. insbeson-dere Pfeiffenköpfe, Tassen und Becher, sogenannte "Türkenkoppchen" die sehr wahrscheinlich in dieser Zeit in sehr großen Mengen hergestellt und in die Türkei exportiert wurden . Eine Veredelung in Form von Bemalung erfuhren die Stücke erst ab 1843 in Tirschenreuth, vorher wurden die Weißwaren zur weiteren Bearbeitung nach Schney transportiert.

1840-1859

Klassizismus
1840 - Klassizismus

von ca. 1780 - 1850 war die Wiederbelebung von Formen aus der römischen und griechischen Kunst.
Gleichzeitig gab es ab 1815 bis ca. 1848 (beginn der bürger-lichen Revolution) eine weitere Stilepoche speziell in Deutschland, den Biedermeier-Stil, er bildete eine eigene Kultur in der Hauptsache um Innenarchitektur und Kleidermode, die oft mit dem Etikett "hausbacken" oder konsevativ" versehen war.

Der Sonntagsspaziergang (1841) von Carl Spitzweg
1841

Der Sonntagsspaziergang (1841) von Carl Spitzweg, einem typischen Vertreter der Biedermeier-Epoche

1843

Bereits sehr früh-zeitig gab es in geringem Umfang Sozialleistungen, da Ende des Jahres einigen Beschäftigten einige Kreuzer als Weihnachtsgeld ausbe-zahlt wurden. Bemerkens-wert ist noch eine weitere Einrichtung, die Kranken-kasse. Es handelte sich dabei um eine Selbsthilfeeinrich-tung für die tätigen Fachar-beiter.

Marke ab 1843
1843

Marke ab 1943

vermutlich erste Serviceform
1843

Rohstoffe für die produzierten Porzellan wurden in der Nähe abgebaut und aufbereitet. Da ist zum einen die Porzellanerde, das Kaolin, als wichtigster Bestandteil. Für dem Abbau musste dafür in einer Grube bei Königshütte ein Zehent entrichtet werden. Bei Wondreb existierte eine weitere Grube, aus der in größerem Umfang gefördert wurde.
Wohl zur Ergänzung, vielleicht auch zum Ausgleich schlechterer eigener Qualitäten kam es zu Lieferungen von Passauer Porzellanerde, einer seit 1717 bestehenden Lagestätte. Feldspat wurde aus Sinatengrün und Tiersheim zugeliefert. Ton für die Erzeugung von Brennkapseln wurde lokal gewonnen, ursprüngliche aus einer stadteigenen Grube.
Die Verarbeitung der Rohmaterialien geschah in verschiedener Weise. Zum einen schlemmte und trocknete Johann Tretter, auf dessen Grund Porzellanerde gewonnen wurde, das Material. Dann wurde es, ebenso wie die anderen Bestandteile, nämlich Feldspat und Quarz, zur Mühle nach Wondreb gefahren, um dort feingemahlen zu werden. Die als Massemühle fungierende Mühle war zwischenzeitlich im Besitz der Fabrik. Die letzte Rate des Kaufpreises in Höhe von 1.456 Gulden wurde am 25. Januar 1841 bezahlt. Nun erfolgte die Mischung der Rohstoffe unter Zugabe von Wasser nach einem bestimmten, in der Regel streng geheimen Rezept in einem Bottich. Zur weiteren Bearbeitung wurde die Masse in besonderen Knet- und Masseschlagmaschinen aufbereitet, um Luftblasen zu entfernen und eine Homogenisierung zu erreichen.

vermutlich erste Serviceform
1845

etwa um 1845 - entstand sehr warscheinlich diese erste Serviceform. Die Produkte wurden zu dieser Zeit entweder mit Buch-staben oder Nummern gekennzeichnet. Dies änderte sich erst ab 1890.

Andenkbecher
1852

Becher-Form um 1852 Andenkenbecher

Eierbecher Eierbecher Anbdenkbecher Krankenfütterer
Neue Vertriebsmöglichkeiten

Durch die Nähe zu den Kurbädern Karlsbad, Marienbad und Franzensbad eröffneten sich zusätzliche Vetriebs-Möglichkeiten. Die speziell für diesen Kundenkreis gefertigten Artikel wie Krankenfütterer, Kaffeetassen oder Schokoladenbecher waren begehrte Souvenierartikel.

Andenkbecher
1858-1860

Typisch für diese Zeit sind Formen mit geraden oder geschwun-genen Reliefs. Auch festonierte Borde für Teller werden bereits gefertigt. Der Deckelknopf und die Henkelstaffage lassen auf eine deutlich verbesserte Technik schließen.

1860-1879

1845-1870

In den Folgejahren scheint die Fabrik recht gut floriert zu haben. Denn bereits 1845 wurde ein neuer Brennofen geplant und im Folgejahr auch beim Kgl. Landgericht die nötige Genehmigung erbeten. Hiergegen kam es wiederum zu energischen Protesten seitens der Stadt. Dort verstieg man sich sogar zu der bedrohlichen Andeutung, daß es bei der momentanen erregten Bürgerschaft zu Unruhen kommen könne. Letztlich wurde ein zweiter Ofen nur unter der Bedingung zugestanden, daß nie beide gleichzeitig in Betrieb genommen werden durten und daß eine höhere Holzzuteilung aus Staatswaldungen nicht erfolgte.

beliebte Serviceform vieler Fabriken der damaligen Zeit
1845-1870

Form zwischen 1845 - 1870 - Das Wellenrelief mit festoniertem Bord war eine beliebte Serviceform vieler Fabriken der damaligen Zeit.

1855

wurde die Produktionsstätte mit allen Immobilien für 11.800 Gulden an Georg Kaufmann veräußert.

1863

scheint eine Erweiterung der Fabrikanlagen erfolgt zu sein. Zu dieser Zeit erzielte die Porzellanfabrik einen Umsatz von 20.000 Gulden jährlich, nicht zuletzt auch durch Exporte nach Österreich und in die Schweiz.

Bild von Paul Cèzanne "Pfirsiche und Birnen"
Bild von Paul Cèzanne

"Pfirsiche und Birnen"

1864

war Friedrich Muther Teilhaber des Unternehmens geworden. das nun als "Kaufmann & Muther" firmierte.

1865

erfolgte ein weiterer Besitzerwechsel, Georg Kaufmann schied aus, Eduard Tittel wurde neuer Miteigentümer der Porzellanfabrik Muther & Tittel.

Kaffeekanne Milchgießer
1870-1875

Kaffeekanne und Milchgießer entstanden um 1870-1875

Impressionismus von 1860-1900 - Teil 1

ist eine Stilrichtung die aus einer Bewegung innerhalb der Malerei in Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand. Das Gemälde Impression — soleil levant (1872) von Claude Monet gab der Bewegung ihren Namen. Sie zeichnete sich jedoch weitaus früher ab. Bereits die Arbeiten Édouard Manets aus den 1860er Jahren zeigen grundlegende Elemente der beginnenden Veränderung. Die Darstellung des Lichts und der atmosphärischen Bedingungen wurde im Impressionismus zur malerischen Hauptaufgabe. Farbe wurde als Folge von Licht und Atmosphäre gesehen und als Träger des Lichts wiedergegeben. Der Verzicht von Schwarz und erdigen Farbtönen ließ ihre Farbpalette aufhellen.

Kaffeeservice Käseglocke
1860

Serviceform um 1860 entstanden. Käseglocke entstanden um 1878.

Impressionismus von 1860-1900 - Teil 2

Auch in Tirschenreuth finden sich nun Anzeichen einer bewußt vorangetriebe-nen Expansion. Aber vorher mußte durch die häufigen Wechsel in der Führung Ruhe in die Besitzverhältnisse einkehren, und es mußte eine fähige, ener-gische und zielgerichtete Unternehmerpersölichkeit den Kurs bestimmen. Eine solche wäre sicherlich auch August Bauscher gewesen, der sich 1876 mit Unter-stützung seiner Eltern für 42.857 Mark in des Tirschenreuther Unternehmen eingekauft hatte. Aber bereits nach wenigen Jahren, in denen er das Handwerk der Porzellanherstellung gelernt hatte, zog es ihn in die Selbständigkeit. Im Dezember 1880 verließ er Tirschenreuth, um in Weiden eine eigene Fabrik zu gründen, die in kurzer Zeit mit ihrer Spezialisierung auf Hotelporzellan Welt-ruhm erlangte. In dieser Zeit entstanden eine Vielzahl neugegründeter Porzellanfabriken, in Oberfranken und der Oberpfalz je 8, in Thürigen sogar 20.

Schale mit muschelartiger Ausformung
1875-1880

Schale entstanden um 1875-1880 mit muschelartigen Ausformungen.

Schale im typischen Rocaille-Stil
1878

Schale entstanden um 1878 entwickelt im typischen Rocaille-Stil, mit Schnörkel und muschelartigen Elementen.

1880-1899

1880

im Dezember 1880 verkaufte August Bauscher seinen Geschäftsanteil an den aus dem württembergischen Nürtingen stammenden Textilkaufmann Carl Gott-hold Mezger. Unter der neuen Firma "Muther & Mezger " begann der eigentliche Auf-stieg der Porzellanfabrik Tirschenreuth, die inzwischen die erste Dampfmaschine in Betrieb gesetzt, Erweiterung der Gebäude und Anlagen vorgenommen und zahlrei-che Grundstückskäufe getätigt hatte. Auch ein neues Marken-Logo sollte, der inzwi-schen weltweit agierenden Porzellanfabrik, zu einem besseren Erscheinungsbild beitragen.

Marke ab 1881
1881

Marke ab 1881

Anlieferung der Dampfmaschine mit Bauscher-LKW

Anlieferung der Dampfmaschine mit Bauscher-LKW

Plakat der Porzellanfabrik
Carl Gotthold Mezger

Carl Gotthold Mezger

Schale im Rocaille-Stil entstanden um 1885
1885

Schale im Rocaille-Stil entstanden um 1885 zeigt bereits florale Gestaltungselemente in dezenter Farbgebung.

1886

Die neue Entwicklungsperiode des Unternehmens erlitt am 3. März 1886 eine vorübergehene Störung. Ein Großbrand vernichtete bis auf das Weißlager alle Gebäude. Mezger forcierte sofort den Wiederaufbau durch die Errichtung eines neuen Brennofengebäudes mit zwei weiteren Brennöfen, einer Massemühle mit Dreherei und eines neuen Lagergebäudes.

1891

Am 12. Dezember entschlossen sich die Besitzer, das Unternehmen in ein Aktiengesellschaft unter dem Namen "Porzellanfabrik Tirschenreuth AG" mit einem Grundkapital von 500.000 Mark umzu-wandeln. Erster Direktior und Vorstand war Carl Mezger. Damit waren die Voraussetzungen für eine weitere vorausschauende Expansion des Unterneh-mens gesichert. Gleichzeitig wurden 2 Arbeiterhäuser mit 8 Wohnungen gegenüber der Fabrik gebaut.

Schokoladenkanne um 1895 Handausgeschnittene Durchbruchschale um 1898 mit floralem Motiv
1895 und 1898

Schokoladenkanne um 1895 und handausgeschnittene Durchbruchschale um 1898 mit floralem Motiv

Schale mit naturalistischen Motiven Krug mit naturalistischen Motiven
1898

Schale und Krug mit naturalistischen Motiven.

Fabrik um 1900
1990

Fabrik um 1900

Jugendstil von 1890-1910

ist eine kunstgeschichtliche Epoche und der Gegensatz zu Klassizismus und Historismus. Die Stilrichtung besteht aus naturalistischen Motiven, ornamentalen Gestaltungsmerkmalen und raffinierten Naturarrangements. Geschwungene Formen, Wellen und Ranken, Pflanzenmotive sind wesentliche Elemente dieser Zeit. Weitere Bezeichnungen sind art nouveau, Modern Style, Modernisme, Stile Liberty, Reformstil oder Wiener Secession. In Russland heißt er Stil Modern, in Italien Stile Floreale, während Frankreich auch den Begriff Fin de siècle verwendet.

1900-1909

1901

Schon in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts soll der Dreher Johann Kreiner an seinen freien Tagen die Umgebung des Kreisstädtchens durchstreift und den Boden nach nutzbaren Erden untersucht haben. Dabei entdeckte er auf der Schmelitzhöhe Pegmatit und bei Schönhaid große Rohkaolinlager. Die Porzellanfabrik erwarb an beiden Stellen die Grundstücke und betrieb zu dieser Zeit in noch relativ kleinem Umfang den Abbau für den eigenen Bedarf. Doch hatte man gegen Ende des Jahrhunderts den enormen Wert der Rohstofflager mit ihren Vorkommen an Pegmatit, Kaolin und Kapselerde klar erkannt. Auf der Schmelitzhöhe wurden in den 1890er Jahren verstärkt Flächen aufgekauft und der eigene abbaufähige Grundbesitz vergrößert. Ab 1897 wurden sukkzessive eine Schlämmerei, eine Massemühle mit dampfbetriebenen Mahlgängen und Trommeln eingerichtet. Da diese Anlagen den gestiegenen Anforderungen schon bald nicht mehr genügten, veranlaßte der Vorstand 1903 den Neubau einer Schlämmerei mit Massemühle auf der Schmelitzhöhe, direkt an den Gruben und mit einer Anbindung and die Eisenbahnlinie Tirschenreuth - Bärnau. Der Versand von Pegmatit, als wichtigen Rohstoff für die Porzellanherstellung, hatte sich von 1891 bis 1901 mehr als verfünfzehnfacht.

Fabrik um 1903
Anlieferung der Dampfmaschine mit Bauscher-LKW
1898

1903 Mit dem Bau der Eisenbahn 1898 von Tirschenreuth nach Bärnau konnte nach dem Anschluß bei der Schmelitz der Transport auch auf die Schiene verlagert werden.

Ragout Form "Carmen"
1899

Ragout Form "Carmen", in den 80er Jahren wurde diese sehr erfolgreiche Form unter dem Namen "Baronesse" neu aufgelegt.

Fabrik um 1903
1902

Ein weiteres sehr einträgliches Unternehmen waren bis zu ihrer Auflösung die "Schönhaider Kaolin- und Kapselerdegruben GmbH" eine 1902 von der Porzellanfabrik Tirschenreuth AG, Carl Mezger und Josef Hofmann in Wiesau gegründete Gesellschaft zur Erschließung und Ausbeutung der Schönhaider-Vorkommen. Jeder Gesellschafter hatte ein Drittel Anteil, der im we-sentlichen auf den eingebrachten Grundstücken basierte. Bereits im ersten vollen Geschäftsjahr 1903 waren rund 30.000 Tonnen howertiger Kapselerde verkauft worden.

Johannes Schlipphak

Johannes Schlipphak

1908

Carl Gotthod Mezger erlebte die Früchte seiner jahrzehntelangen Bemühungen nicht mehr. Am 16. Dezember 1908 starb dieser Mann, dem "zäher Fleiss", "scharfer Verstand" und "außerordnetliche Arbeitskraft" attestiert wurden. Nachträglich wurde er für seine Verdienste und seinen wirtschaftlichen Weitblick, zum K. Bayer. Kommerzienrat ernannt. Unter seiner Führung war um die Jahhundertwende die Porzellanfabrik Tirschenreuth der mit Abstand größte Porzellanhersteller in der Oberpfalz. Sein Lebenswerk wurde in seinem Sinne durch den langjährigen bewährten Mitarbeiter, Herrn Johannes Schlipphak, fortgeführt. Mit dessen Umsicht und Tatkraft es gelang, das Unternehmen über die folgenden schweren Krisenjahre des Krieges und der Inflation erfolgreich hinüberzuleiten.

ausdrucksstarke, filigrane Prunkvase handbemalt vom neuen Obermaler Hugo Veith. ausdrucksstarke, filigrane Prunkvase handbemalt vom neuen Obermaler Hugo Veith. ausdrucksstarkes, filigranes Tablett handbemalt vom neuen Obermaler Hugo Veith. ausdrucksstarkes, filigranes Tablett handbemalt vom neuen Obermaler Hugo Veith.
um 1900

ausdrucksstarke, filigrane Prunkvasen und Tabletts - handbemalt vom neuen Obermaler Hugo Veith.

1900

Um die Umsetzung der künstlerischen und kundenorientierten Ansprüche sicherzustellen, war es wichtig exzellente Obermaler, für die Ausarbeitung der Dekore zu bekommen. Anfang des Jahrhunderts konnte die Porzellanfabrik mit Herrn Hugo Veith einen sehr erfahrenen Obermaler gewinnen. Sein Handwerk und seine Erfahrung hatte er sich in den renomiertesten Fabriken und Manufakturen angeeignet. So war es nur zu verständlich das viele erfolgreiche Dekore damals seine Handschrift trugen.

1910-1919

Die Fabrikanlagen um 1910, mit 8 Rundöfen, 2 Muffeln für den Dekorbrand  und neuer Dekorationsabteilung.
1910

Die Fabrikanlagen um 1910, mit 8 Rundöfen, 2 Muffeln für den Dekorbrand und neuer Dekorationsabteilung.

1908

Johannes Schlipphak war zum Zeitpunkt von Mezgers Tod Prokurist und befand sich seit Januar 1906 in der Stellung eines "Direktors auf Probe". 1873 in Eisleben geboren, war er 1984 als Reisender zur Porzellanfabrik Tirschenreuth gekommen. Dort war er 1899 zum Disponenten aufgestiegen. 1902 hatte er Prokura erhalten mit der Zuständigkeit für den kaufmännischen Bereich. Auf diesen Positionen hatte er sich bewährt und durch sein Organisationstalent für verantwortungsvollere Tätigkeiten empfohlen. Einen Tag nach Mezgers überraschenem Tod rief ihn daher der eilig einberufene Aufsichtsrat nach München und stellte ihm die Frage, ob er sich der schwierigen Aufgabe der Leitung gewachsen fühle. Nachdem diese Frage erwartungsgemäß mit "Ja" beantwortet worden war, wurde Johannes Schlipphak nach kurzer Beratung zum alleinigen Vorstand und Direktor ernannt.

1913

Schlipphak übernahm das Unternehmen in einer Phase ungebrochener Aufwärtsentwicklung. Die Bilanzsummen stiegen bis 1913 kontinuierlich bis auf rund 1,9 Mio Mark an, der Absatz nahm trotz zeitweiliger Probeme weiter zu, so daß Schlipphak über das abgelaufene Geschäftsjahr 1913, das erfolgreichste in der Geschichte der Fabrik mit einer Dividendenzahlung von 20%, in einer unnachahmlichen Untertreibung sagen konnte: "Wir sind in der angenehmen Lage, das abgelaufene Geschäftsjahr als ein für uns günstiges bezeichnen zu können..."

Das Malerpersonal der Porzellanfabrik
1913

Das Malerpersonal der Porzellanfabrik

Art Déco von 1910-1925

Art déco (frz., Abkürzung von arts décoratifs, etwa: „verzierende Künste“) Charakteristisch für den Art déco ist die stilisierte und flächige Darstellung floraler und organischer Motive. Dem Art déco fehlt ein eindeutiges, zugrundeliegendes Stilmerkmal oder eine stilbildende Anschauung. Vielmehr handelt es sich, inmitten des generellen Aufbruchs der klassischen Moderne, um eine gestalterische Verbindung von Eleganz der Form, Kostbarkeit der Materialien, Stärke der Farben und Sinnlichkeit der Thematik. Vieles davon war schon im Jugendstil angelegt.

1914-1918

Der Porzellanfabrik Tirschenreuth AG gelang es, relativ unbeschadet über den Krieg zu kommen. Bereits die Bilanz von 1915 zeigt ein nur um 0,6 Prozent niedrigeres Umsatzvolumen. Die Ursache dürfte darin gelegen haben, daß der Amerikamarkt lange über neutrale Länder beliefert werden konnte. und die Dividenden erreichten mit 15- 20 Prozent schon bald wieder Vorkriegszustand. Noch im April 1916 konnten von Tirschenreuth Waren für 25.000 Mark in die USA versandet werden.

Mongrammservice mit dem Stadtwappen der Stadt Tirschenreuth auf der Form "Vaterland" Mongrammservice mit dem Stadtwappen der Stadt Tirschenreuth auf der Form "Vaterland"
um 1918

Mongrammservice mit dem Stadtwappen der Stadt Tirschenreuth auf der Form "Vaterland". Sehr wahrscheinlich ein Geschenk an eine prominente Persönlichkeit oder es wurde als Bewirtungsgeschirr verwendet.

Form Vaterland um 1918
1918

Form Vaterland war die erste Form nach dem Krieg und zeigte bereits wesentliche Elemente des Art Déco Stils in Deutschland und war charakteristisch für diese Zeit am Beginn der Weimarer Republik.

1920-1929

1914-1918

Die insgesamt vielversprechende Entwicklung wurde jäh unterbrochen durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Juli/August 1914. Das Einziehen vieler männlicher Arbeitskräfte zum Militärdienst, Transportprobleme, der Weg-fall wihtiger Exportmärkte, der Mangel an Kohlen und Rohstoffen, ein weitgehender Zusammenbruch des Inlandsmarktes waren Folgen, unter denen die meisten Porzellanfabriken zu leiden hatten. Im Laufe der Jahre kam es daher mehr und mehr zu Produktionseinschränkungen, teilweise sogar zu Betriebsstillegungen. Verschärfend trat ab 1917 hinzu, daß eine volle Versorgung mit Kohlen und Rohstoffen nur noch kriegswichtigen Betrieben zugestanden wurde.

Paul Straub
1920

Paul Straub, ein wichtiger Geschäftspartner und Vertreter für den amerikanischen Markt. Dank seinen Kontakten, Aufträgen und wirtschaftlichen Einschätzungen gelang es besonders die Zeit nach dem Krieg besser als viele andere Fabriken erfolgreich zu überstehen. Besonders hochwertige Geschirre mit Ätzgoldkanten und reich verzierte mit Gold dekorierte Service waren seine wichtigsten Umsatzbringer. Nach dem 1. Weltkrieg setzte die Porzellanfabrik Tirschen-reuth wieder dort an, wo es aufgehört hatte: repräsentative Por-zellanservice wurden neu entwickelt, vorhandene Serviceformen aktualisiert.

Mongrammservice mit dem Stadtwappen der Stadt Tirschenreuth auf der Form "Vaterland" Mongrammservice mit dem Stadtwappen der Stadt Tirschenreuth auf der Form "Vaterland" Mongrammservice mit dem Stadtwappen der Stadt Tirschenreuth auf der Form "Vaterland"
1920

Serviceform Dresden

Kobaltfahne mit Tiefätz-Goldkante

Kobaltfahne mit Tiefätz-Goldkante

Kobaltfahne mit Email-Malerei und Golddruck

Kobaltfahne mit Email-Malerei und Golddruck

1922

Schlipphak der bereits ein hohes Ansehen als sachkundiger Unternehmer besaß, war vom Bezirksamt in Tirschenreuth mit der Aufsicht über die in englischem Besitz befindliche Mitterteicher Porzellanfabrik, wie auch über die Porzellanfabrik Haviland in Waldershof betraut worden. Im Verband Deutscher Porzellanfabriken spielte er eine einflußreiche Rolle.

Suppenterrine Form "Hohenzollern" mit Ätzkante und aufwendiger Vergoldung
1925

Suppenterrine Form "Hohenzollern" mit Ätzkante und aufwendiger Vergoldung.

Speiseteller Form "Hohenzollern" mit Ätzkante und aufwendiger Vergoldung
1925

Speiseteller Form "Hohenzollern" mit Ätzkante und aufwendiger Vergoldung.

1926

Generaldirektor und Kommerzienrat Schlipphak seinerseits war schwer krank. Sowohl 1925 wie 1926 mußte er in mehrwöchigen Sanatoriums-aufenthalten seine Arbeitsfähigkeit wiederherstellen. Letztendlich gelang dies aber nicht. Johannes Schlipphak, eine der großen Persönlichkeiten der bayerischen Porzellanindustrie starb am 10. Juli 1926.

Suppenterine mit Untersatz Form "Empire"
1927

Suppenterine mit Untersatz Form "Empire"

1927

Als wäre nur auf diesen Zeitpunkt gewartet worden, begannen die Übernahmebemühungen der Lorenz Hutschenreuther AG in Selb, unterstützt von der Diskont Bank. Die verschiedenen Filialen dieser Bank besaßen bereits auf der Generalversammlung vom 31. Januar 1927 eine Mehrheit, in den Aufsichtsrat wurden ihre Vertreter sowie Kommerzienrat Emil als Vorstandsvorsitzender der Lorenz Hutschenreuther AG gewählt. Die Generalversammlung vom 10. Juni 1927 beschloß die Fusion mit dem Selber Unternehmen, dem am gleichen Tag auch noch die Porzellanfabrik Gebr. Bauscher, Weiden angegliedert wurde.

Kaffeekanne Form "Weimar"
1928

Kaffeekanne Form "Weimar", reichhaltige Blütenkante mit üppiger Vergoldung. Eine weitere wichtige Serviceform zwischen 1928 und 1930 war die Form München, eine Barockform, die große Ähnlichkeit mit der Form "Ingeborg" von Hutschenreuther hatte.

Sammelgedecke mit aufwendiger Kobalt und Goldfekoration Sammelgedecke mit aufwendiger Kobalt und Goldfekoration Sammelgedecke mit aufwendiger Kobalt und Goldfekoration Sammelgedecke mit aufwendiger Kobalt und Goldfekoration
1929

Sammelgedecke mit aufwendiger Kobalt und Goldfekoration.

1930-1939

1930

Seit der Übernahme folgt eine gründliche Betriebsmodernisierung. Zudem fließt der Geist, vielen Menschen Porzellan zugänglich zu machen, immer stärker in die Unternehmens Philiosophie ein. Trotz der Anbindung an die Lorenz Hutschenreuther AG arbeitet die Porzellanfabrik Tirschenreuth auch weiterhin autark. Viele neue Formen mit zeitgenössischem Designanspruch entstanden. Der Exportanteil wurde zum wesentlichen Umsatzträger. Durch Kooperationen in Dänemark, Schweden (Hackefors) und Italien konnten wichtige Exportmärkte neben den USA erfolgreich besetzt werden. Die innenpolitische Unsicherheit beim Verbraucher führte zu steigender Kaufunlust und Umsatzeinbrüchen im Binnenmarkt. Dank der Umsatzsteigerungen im Exportgeschäft konnte der Verlust damit größtenteils ausgeglichen werden.

Form war ausschließlich für die Kantinen des Reichsarbeitsdienstes bestimmt
1934

Die vom "Amt Schönheit der Arbeit" geforderte Quote des "Modell 2" produzierte Form war ausschließlich für die Kantinen des Reichsarbeitsdienstes bestimmt. Die Kanne ist glatt und leicht geschultert. An den Entwürfen arbeiteten auch Modelleure von Tirschenreuth mit.

Original-Musterkoffer von Paul Straub

Original-Musterkoffer von Paul Straub

Verschiedene Henkelmodelle

Verschiedene Henkelmodelle

Formschöne zeitgemäße bauchige Vase mit Fußdekoration und Tiefätzkante mit Poliergold
1935

Formschöne zeitgemäße bauchige Vase mit Fußdekoration und Tiefätzkante mit Poliergold

84. Geburtstag in den USA; aber: Stadt Tirschenreuth verleiht am 24. Juni 1938 an Paul Straub das Ehrenbürgerrecht

Paul Straub, 1865 geb. Ehrenbürger und Wohltäter der Stadt Tirschenreuth. feierte am 20. März 1949 seinen 84. Geburtstag in den USA. Seit einem halben Jahrhundert besucht Straub regelmäßig die Stadt und fördert durch Spenden nicht nur die Sportvereine. Seine besondere Fürsorge gilt den Arbeitern, die er durch Spenden aller Art bedenkt. Als besonderen Anlaß verlieh die Stadt Tirschenreuth am 24. Juni 1938 an Paul Straub das Ehrenbürgerrecht.

Form "Elli" im Stile des "Bauhaus" entwickelt
1837

Form "Elli" im Stile des "Bauhaus" entwickelt. Die Formen zeichnen sich durch Sachlichkeit und Funktionalität aus. Betroffen sind Gegenstände des täglichen Lebens wie Baustil, Inneneinrichtung und Alltagsgegenstände.

100 Jahre Tirschenreuther Porzellan Jubiläums-Musterausstellung 100 Jahre
1838-1938

100 Jahre Porzellanfabrik

Marke 100 Jahre Tirschenreuther Porzellan

Marke 100 Jahre Tirschenreuther Porzellan / Bavaria

Jubiläumsform 100 Neuaufleben von Kobalt-Ätzkanten und Randliniendekor
1838

Zum Jubiläum wird die Form "100" vorgestellt, die in ihrem Erscheinungsbild mit einem veränderten Deckelknopf und etwas runder und als die bisherige Form "Elli" angelegt ist. Die Dekorwelt war aufgrund der Schlichtheit dieser prägnanten, für den sachlichen Stil typischen Form auf elegante Randlinien-Dekore beschränkt. Die Ätzkanten in Kobalt, für die Tirschenreuth schon in den 20er Jahren berühmt war, werden auch hier verwendet.

Form Braunschweig Kaffeekanne, Milchgießer und Zuckerdose mit Goldstaffage und floralem Zierdruck
1833

Form Braunschweig Kaffeekanne, Milchgießer und Zuckerdose mit Goldstaffage und floralem Zierdruck

Vase im
1832

Vase im "Bauhaus" Stil

Monogrammteller - Lehrlingsarbeit eines Malerlehrlings
1835

Monogrammteller - Lehrlingsarbeit eines Malerlehrlings

Bodenvase handbemalt
1831

Bodenvase handbemalt

1940-1949

Form "Sparta"
1940

In den Kriegsjahren beschränkte sich die Produktion vornehmlich auf Gastronomie-Porzellan. Es wurde die Form "Sparta" entwickelt. "Die gediegene Formgebung dieses Hotelgeschirres verschaffte ihm Eingang in die elegantesten Hotels und Gaststätten", so stand es zu lesen aus einem Prospekt um 1948.

1945

Angesichts der Zerstörungen ist der Bedarf an Porzellan riesig. Die amerikanische Militärregierung erläßt Auflagen zur Herstellung von bestimmten Mengen an Geschirr, die auf Bezugsschein abgegeben werden. Goldmangel veranlaßt im Dezember 1947 die Verwaltung für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, VfW, ein Golddekorverbot zu erlassen, es gilt bis Dezember 1949. Zunächst wurden die Formen der Vorkriegszeit weitergeführt. Als erstes wurde nach dem Krieg, die Form Sparta.

Nippes-Artikel für amerikanische Soldaten

Nippes-Artikel für amerikanische Soldaten

1947 - TEIL 1

Mit Josef Zwerenz kehrte ein wichtiger Eckpfeiler der kreativen Seite nach Tirschenreuth zurück. 1904 in Tachau geboren erlernte er 1919 den Beruf des Porzellanmalers. Die Veranlagung zum Malen lag vermutlich bereits in der Wiege, denn sein Großonkel war ein bekannter Egerländer Kirchenmaler. Josef Zwerenz hatte den unbezähmbaren Drang sich im Malen weiterzubilden, der enge Bereich des Porzellanmalers genügte ihm nicht. Sein Verständnis und Interesse für bildende Kunst veranlaßte ihn zur Teilnahme am Fernkurs einer Berliner Malschule. Ein späterer beruflicher Aufenthalt in Meissen ermöglichte ihm in der nahen Kunststadt Dresden viele Anregungen und Läuterung seiner Kunstbegriffe durch den öfteren Besuch der Gemäldegalerie Zwinger und weiteren Ausstellungen. Auch betätigte er sich auf graphischem Gebiet wie Radierung, Stahlplattengravur, später Lithographie und Siebdruck.

Josef Zwerenz als Messebesucher von 1949-1962
1949-1962

Josef Zwerenz als Messebesucher

1947 - TEIL 2

Einem Angebot folgend, ging Zwerenz als Musterentwerfer und Obermaler an die Porzellanfabrik des Grafen Thun nach Klösterle and der Eger bei Karlsbad. Dort verheiratete er sich mit Mimi Handschmann. Durch viele Studienreisen lernte er nicht nur andere Länder kennen, er sah dabei auch die Kunstwerke anderer Völker. Als Soldat geriet er in Kriegsgefangenschaft und kam in das berüchtigte Lager Bad Kreuznach. Nach seiner Entlassung kam er durch frühere berufliche Beziehungen wieder nach Tirschenreuth. Zwerenz hat weit über 500 Bilder geschaffen, welche nicht nur in Tirschenreuth, sondern in ganz Deutschland und im Ausland Interessenten und Liebhaber gefunden haben.

Josef Zwerenz

Josef Zwerenz

Josef Zwerenz beim bemalen einer Bodenvase.
1949

Josef Zwerenz beim bemalen einer Bodenvase.

Enwürfe von Vignetten für Restaurants und Hotels, Designentwürfe Blumen und Obst. Enwürfe von Vignetten für Restaurants und Hotels, Designentwürfe Blumen und Obst. Enwürfe von Vignetten für Restaurants und Hotels, Designentwürfe Blumen und Obst.

Enwürfe von Vignetten für Restaurants und Hotels, Designentwürfe Blumen und Obst.

1950-1959

1950

In den 50er Jahren geht alles aufwärts. Die Kannen werden kunstvoller und gefälliger. Die gleichförmigen Formen der 30er Jahre werden von den gestylten Modellen abgelöst. (Form Rita)

Teeservice  Rita in für damalige Zeit typischen Farbfonds mit Goldstaffage
1951

Teeservice Rita in für damalige Zeit typischen Farbfonds mit Goldstaffage.

Form "Trianon" Form "Trianon" Form "Trianon" Form "Trianon"
1951

Mit der Form "Trianon", die in leicht geänderter Form bereits in den 30er Jahren für große Umsätze und Erträge sorgte, wurde eine Erfolgsform reaktiviert und modernisiert und speziell für den ameri-kanische Markt erneuert. Sie wurde damit zur wich-tigsten Exportform.

Vase vase Konfektschale Aschenbecher
1952

Die Formgestaltung bei Tirschenreuth wurde in den 50er-Jahren mehr und mehr vom zentralen Atelier in Selb gesteuert. Ganz dem Geist der damaligen Zeit entsprechend finden sich weich verlaufende asymetrische Formen, die spielerisch frohen Umgang mit Design ausdrücken. Das gilt für Vasen, Konfektschalen und Aschenbecher sowie für andere Geschenkartikel. Die meisten dieser Dekore entwirft Josef Zwerenz. Die Designs sind den Vorstellungen der 50er Jahre verpflichtet: einerseits naturalistische, farbenfrohe, anderer-seits graphische Dekore.

Es ging wieder lustig zu und auch die Faschingsfeiern waren berühmt für ihre Verkleidungskünstler !!!
1952

Es ging wieder lustig zu und auch die Faschingsfeiern waren berühmt für ihre Verkleidungskünstler!!!

attraktive und innovative Geschenkartikel
1955

Mitte der 50er Jahre wurden zunehmend attraktive und innovative Geschenkartikel ins Sortiment aufgenommen. Damit wurde das Kollektionsbild um ein erfolgreiches Segement erweitert.

Bierfest in Höfen
1955

Bierfest in Höfen

Graveur beim Gravieren eines Dekors in die Stahlplatte

Graveur beim Gravieren eines Dekors in die Stahlplatte

Die Form "Schönbrunn"
1953

Die Form "Schönbrunn" war neben den klassischen Formen wie Trianon, Isabella, Madleine und Ruth, eine dem Barock nachempfundene Stilform. Sie gehörte zur Basis jeder Porzellanfabrik der damaligen Zeit.

Dr. Gramß wird neuer Direktor Dir. Georg Zeidler wird abgelöst
1955

Dr. Gramß wird neuer Direktor er löst Dir. Georg Zeidler ab.

Kaffekanne, Zuckerdose, Milchkanne "Prinzess" Mokkatasse
1958

Die Form "Prinzess" wurde ausschließlich für den Mokka-Bereich mit sehr aufwändigen und reichhaltig verzierten Mokka-Tassen gefertigt.

1958

erfolgte die Umstellung des Brennbetriebes von 6 Rundöfen auf 3 Tunnelöfen mit gleichzeitiger Erhöhung des Ausstoßes von 70 to/Monat auf 110 to/Monat. Damit wurden auch die körperlichen Belastungen der Mitarbeiter deutlich reduziert.

1960-1979

Fabrikansicht mit der neuen Tunnel-Ofenhalle
1960

Fabrikansicht mit der neuen Tunnel-Ofenhalle

Jubiläumsform Juliette Dekor Belvedere
1938

Jubiläumsform Juliette Dekor Belvedere

1960

Das Staatsaufträge manchmal nicht so einfach zu produzieren waren zeigt eine wahre Begebenheit. Die Fabrik erhielt Anfang 1960 einen Staatsauftrag für ein Bankett für 600 Personen für die Regierung des Kongo. Auftraggeber war der damalige Präsident Kasavubu. Wichtig war, daß das Wappen des Präsidenten als Vignette auf allen Geschirrteilen deutlich sichtbar ist. Als nach 3 Monaten die Geschirre fertig waren, war gerade Putsch im Kongo und der neue Präsident hieß "Lumumba". Nach intensiven Verhandlungen einigte man sich schließlich darauf, das jetzt falsche Wappen wegzupolieren und an dessen Stelle das Wappen Lumumbas einzusetzen. Nach Fertigstellung und verpackter Kisten gab es am 5. September 1960 abermals einen Putsch und der alte Präsident Kasavubu mit seinem General Mobutu gelang es, Lumumba zu stürzen. Was folgte, das Emblem mußte wiederum wegpoliert und dafür das ursprüngliche Wappen wieder eingesetzt werden. Viel Gewinn dürfte bei diesem Auftrag nicht übrig geblieben sein.

Bankettservice mit Insignien Bankettservice mit Insignien
1960

Wichtige Staatsoberhäupter mit Ihren Insignien bestellten bei der Tirschenreuther Porzellanfabrik ihre Bankettservice.

Malerei nach dem Umbau
1962

Malerei nach dem Umbau

Richard Münch (l.) erhält für 50-jährige Treue das Bundesverdienstkreuz von Landrat Otto Freuendl (r.) überreicht.
1964

Richard Münch (l.) erhält für 50-jährige Treue das Bundesverdienstkreuz von Landrat Otto Freuendl (r.) überreicht.

"Die Form Symphonie" "Die Form Symphonie"
1964

Die Form "Symphonie" war die erste Voll-Reliefform und wurde unter dem Logo des "Löwen" verkauft.

Hutschenreuther Selb Werk Tirschenreuth Logo
Form "Freya" Dekor "Lindau"
1960

Form "Freya" Dekor "Lindau"

Vorstandsvorsitzender Roland Dorschner bei einer Jubilarfeier.
1970

Vorstandsvorsitzender Roland Dorschner bei einer Jubilarfeier.

Jubilarfeier im Kettelerhaus in Tirschenreuth
1972

Jubilarfeier im Kettelerhaus in Tirschenreuth.

Form "Melodie" Dekor "Cantilene"
1973

Form "Melodie" Dekor "Cantilene"

1980-1994

Preis-Gestlatungs-Vergleichsgrafik diverse Marken
1980

Der Einfluß aus Selb auf die Unternehmenspolitik wächst ständig. Viele Entscheidungen sind nur mit Zustimmung des Vorstandes in Selb möglich. Es wurden diverse Formen wie z.B. die Form "Julia", im Atelier in Selb entwickelt. Nachdem HUTSCHENREUTHER diese Form nicht wollte und bereits diverse Entwicklungs- und Designerkosten entstanden sind, mußte diese dann eben unter der Marke Tirschenreuth produziert und akquiriert werden. Bereits bei der Vorstellung der Form sprach sich die Verkaufsmannschaft gegen die produktionstechnisch nicht ausgereifte Form aus (Henkel wurde beim Füllen mit Kaffee heiß). Die Folge war, daß bereits ein Jahr nach Einführung die Form eben wegen dieser Mängel die Form vom Markt zurückgenommen werden mußte. Lediglich bei der Entwicklung von neuen Geschenkartikeln war noch Selbständigkeit gegeben, war doch mit Heinz Saur, ein erfahrener und designorientierter Modelleur in Tirschenreuth tätig.

Prozessoptimierung Prozessoptimierung Prozessoptimierung Prozessoptimierung
1980

Anfang der 80er Jahre wurden die technischen Abläufe ständig modernisiert und durch neue Technologien verändert.

Erfolgsform "Belvedere" Erfolgsform "Belvedere"
1981

Entsteht die Erfolgsform "Belvedere". Durch einen Einspruch der Rosenthal AG mußte der Name auf Baronesse geändert werden. Es war Rudolf Ascherl, dem es gelang durch zähes Ringen beim Vorstand diese historische Form (1896 Form Carmen) für Tirschenreuth durchzusetzen. Die Trennung nach Sparten "Wohnen" und "Gastronomie" wurde konsequent fortgesetzt, strategisch eine richtige Entscheidung. Auch ein neues CI (corporate Identity) sollte die Trennung verdeutlichen. Künftig wurden unter der Sparte "Wohnen" die Marken Hutschenreuther, Arzberg, Tirschenreuth und Theresiental geführt. Die Sparte "Gastronomie" setzte sich aus den Marken Bauscher, Hutschenreuther Hotel und Schönwald zusammen.

Erfolgsform "Belvedere" Erfolgsform "Belvedere"
1983/85

Die Ausflüge mit der Bundesbahn waren sehr beliebt, boten sie doch Abwechslung und Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen etwas näher kennen zu lernen. Mit eigenen Sonderzügen fuhr die gesamte Belegschaft diverse Ziele in Deutschland an und verbrachte dabei interessante und schöne informative Stunden z.b. in Passau, Ruhpolding, Würzburg uva. mehr.

Führungsmannschaft v.l.n.r. Heinz Saur, Kurt Reul, Werner Graef, Franz Göhl
1988

Führungsmannschaft v.l.n.r. Heinz Saur, Kurt Reul, Werner Graef, Franz Göhl

Jubiläumsform "Fortuna"
1988

- Jubiläumsform "Fortuna"

1991

Hutschenreuther plant ein High-Tech-Werk für 400 Millionen Mark. Um den Stadort bewerben sich Selb, Tirschenreuth und Arzberg. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand fest, das die Betriebsgebäude im Stadtkern in absehbarer Zeit dicht gemacht werden. Berechnungen ergaben, das die Umstrukturierung in eine reine Geschenkartikelfabrik für den Konzern sinnvoll und erfolgreicht ist.

1992

07. Mai, der Aufsichtsrat der Hutschenreuther AG bestätigt: Das neue Werk wird in Selb gebaut. Das bedeutet das Aus für die Hutschenreuther-Porzelliner in Tirschenreuth. Einen Tag später findet eine Demonstration mit Kundgebung gegen die Werkschließung statt, ohne den gewünschten Erfolg. Am 31.Dezember 1994 wird das Werk geschlossen!!!

Vasen mit prähistorischen Motiven
Vasen mit prähistorischen Motiven

1995-2013

1995 - Warum mußte Tirschenreuth schließen? - TEIL 1/3

Darauf gab und gibt es viele Antworten. Sicherlich hat das Fachhandelssterben ab Ende der 80er Jahre bis Ende des Jahrtausends einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Entscheidung aus Selb. Es gab aber auch strategische Entwicklungen im Aufsichtsrat die ein anderes Ziel im Auge hatten. Die von Aufsichtsrat und Vorstand beschlossene Spartentrennung, "Wohnen" und "Gastronomie" war ein Indikator für Gelüste eines anderen Unternehmens auf die sehr erfolgreiche Sparte Gastronomie. Die Abspaltung der Sparte Gastronomie scheiterte am bestehenden Aktienrecht. Es lag deshalb nahe, eine andere Lösung zu finden. Postum entschlied der Aufsichtsrat, die Sparte "Wohnen" durch Werkschließungen profitabler zu machen. Dadurch, daß das Werk in Selb eine Sonderstellung einnahm, wer schließt schon sein Stammwerk, mußte nach anderen Lösungen gesucht werden. So viel 1989 durch einen Aufsichtsratsbeschluß die Entscheidung, das Werk Tirschenreuth als erstes zu schließen, wenig später folgte Hohenberg hierzu benötigte man das Beratungsunternehmen Roland Berger und Mc Kinsey. Theresienthal wurde an einen zweifelhaften Investor verkauft.

1995 - Warum mußte Tirschenreuth schließen? - TEIL 2/3

Als im Frühjahr 1990 die Entscheidung aus Selb in Tirschenreuth eintraf war die komplette Führungsmannschaft geschockt. In vielen Sitzungen und Gesprächen, die häufig bis in den Morgen des nächsten Tages dauerten wurden von den Verant-wortlichen in Tirschenreuth alle Möglichkeiten unternommen das Werk zu retten. In Fallbeispielen wurden Masterpläne er-stellt, Projekte kalkuliert und Risiken bewertet. Fazit: Trotz aller Berechnungen, wie Einsparmaßnahmen, Personalabbau udgl. konnte keine schlüssige Antwort auf die Schließung gegeben werden. Im Gegenteil, die Projektrechnungen zeigten stets ein positives Geschäftsergebnis. Unter Gewinn-Optimierungsgesichtspunkten fehlten die Argumente, die Fabrik zu schließen. So kam es zu der glorreichen Idee aus Selb, die Umlagekosten für den Konzern für Labor, Formen- und Dekor-atelier, Buchhaltung, Controlling, Vorstand uvm. derart drastisch zu erhöhen, daß unter dem Strich ein negatives Ergebnis stand und Aufsichtsrat und Vorstand ein Argument hatten, Tirschenreuth zu schließen. Tirschenreuth hätte selbst im Jahr der Schließung 1994 bei korrekter Berechnung der Umlagen ein positives Geschäftsergebnis erwirtschaftet.

1995 - Warum mußte Tirschenreuth schließen? - TEIL 3/3

Drei Jahre später war es dann soweit, die Sparte "Wohnen" wurde zerschlagen, Hutschenreuther und Arzberg wurde von der Winterling AG übernommen. Leider ging auch diese Ehe mit dem "König vom Fichtelgebirge", wie sich der damalige Chef Birger Ihle selbst gerne nannte, zwei jahre später in die Brüche. Ein Scherbenhaufen!!! Mit der Übernahme durch Rosenthal im Jahre 2000 wude auch die Form "Baronesse" wieder gefertigt - speziell für den amerikanischen Markt.

2002

Die Familie Göhl aus Tirschenreuth kauft die original Markenrechte von der BHS-Tabletop AG und gründet die MVH GmbH. Zwischen dem Insolvenzverwalter der Winterling AG und der BHS gibt es Streit we-gen des Besitzrechts dieser Markenrechte. Es wurde schließlich eine Einigung erzielt. Die Formen und Designs wurden anfangs in polinischen und deutschen Fabriken produziert. Auch die Vertriebspolitik hat sich geändert. Hauptabnehmer sind große Möbellhäuser, Fachgroßhändler und Konzerne.

Form "Quadro" mit graphischen Designs Form "Quadro" mit graphischen Designs
2004

Form "Quadro" mit graphischen Designs

Teegeschirre in verschieden Formen Teegeschirre in verschieden Formen
2004

Teegeschirre in verschieden Formen

2004

Die MVH GmbH schließt eine Partnerschaft mit der Firma Sheng de Jia in Shenzhen China ab. George Yu ist Koordinator und Organisator unter den einzelnen Fabriken. Ein speziell entwickeltes TQM (total-quality-management) sichert die Qualitätsstandarts. Die Entwürfe stammen alle von namhaften deutschen oder italienischen Designern.

Kaffeeset Form "Tulip" Kaffeeset Form "Aida"
2004-2008

neue Formen und Designs bestimmen das Kollektionsbild. Dem Zeitgeist entsprechend wa-ren geometrische Formen und Dekore wesentliche Markterfolge. Aber auch runde Formen wie die Form "Rondo" feiern große Erfolge.

Form "Rondo" Dekor "Linell"
2010

Form "Rondo", Dekor "Linell"

Weihnachtsgeschirr für die KHG
2011

Weihnachtsgeschirr für die KHG

Designentwicklungen für die Frankfurter Frühjahrsmesse "Ambiente" Designentwicklungen für die Frankfurter Frühjahrsmesse "Ambiente" Designentwicklungen für die Frankfurter Frühjahrsmesse "Ambiente"
2013

Designentwicklungen für die Frankfurter Frühjahrsmesse "Ambiente".

Kaffeebecher
1980

Neben Kaffee- und Tafelservicen ist der Becher-Markt ein zusätzliches wichtiges Kollektions-Segment. Veredler und Produzenten für Werbegeschenke sind Abnehmer des aus verschiedenen Formen bestehenden Bechersortiments.

 

Historie Kacheln

1865-1930 - Geschichte Teil 1

Die Geschichte der Keramik- und Kachelindustrie

Ab dem 15. Jahrhundert

Bereits im ausgehenden 15. Jahrhundert wurden von Töpfern im Familienbetrieb im "Tirschenreuther Kessel" Gebrauchsgeschirre hergestellt, unglasiert und damit nicht gesintert. Diese Gefäße wurden von Hand auf der Töpferscheibe gefertigt. Diese Töpfe und Schalen hatten ausschließlich den Zweck, Lebensmittel länger haltbar zu machen und dienten so zur Bevorratung der lebensnotwendigen Güter des täglichen Bedarfs. Für Trinkgefäße waren diese Artikel weniger geeignet, da sie wasserdurchläßig waren. Erst im 18. Jahrhundert fing man an, mit geeigneten Brennöfen diese Gefäße zu glasieren. Damit war die Möglichkeit geschaffen, auch Flüssigkeiten aufzubewahren oder aus den getöpferten Erzeugnissen wie Becher und Tassen zu trinken. Die qualitativ sehr guten Rohstoffvorkommen an Lehm und Ton waren die Grundlage der "Hafner". Außerdem gab es genügend Holz, um die Öfen zu befeuern. 1830 zählte Tirschenreuth noch 4 Hafner-Familien.

1865 - Teil 1

Leonhard Wallner errichtete an der Bergstraße in Tirschenreuth (am Mühlbach = heutige Franz-Böhm-Gasse) eine größere Hafnerwerkstätte, um mit einem großen Brennofen sogenanntes "irdenes" Geschirr industriell herzustellen. Der Unterschied zu der Töpferscheibe war, dass flüssiger Lehm, ähnlich wie bei der Porzellanproduktion, in vorgefertigte Formen eingegossen wurde. Der Vorteil, die Formen konnten öfter benutzt werden und somit mehrere gleiche Stücke aus einer einzigen Form gegossen werden. Durch diese wirtschaftliche Fertigung der Geschirrteile konnten größere Mengen zu einem günstigeren Preis für den Konsumenten produziert werden.

Guglhupfform Teekanne Henkelbecher Teekannen Teekanne
1865 - Teil 2

Neben den Hohlgeschirren war auch die Produktion von Ofenkacheln ein wesentlicher Bestandteil des Sortiments. Die anfangs von externen Kachelofenbauern gesetzten Öfen mit einfachen Kacheln dienten weniger der Verzierung und Verschönerung des Wohnraumes, sondern hatten nur einen Zweck, eine wohlfühlende, natürliche Wärme zu erzeugen. Erst später, als sich Wohnstil und Geschmacksansprüche änderten, veränderten sich auch Form und Design der Ofenkacheln. In der Mitte des Historismus ab ca. 1875 begannen die Kachelhersteller auf diese, für sie neuen Herausforderungen, zu reagieren. In Anlehnung an die Renaissance und Barock entstanden faszinierende handbemalte Kacheln.

Ofenkachel
1881

Leonhard Wallner übergab die Firma an seinen ältesten Sohn Johann Wallner. Seine fünf Brüder erlernten ebenfalls das Hafnerhandwerk. Anfang der 1890iger Jahre ging Johann Wallner zur fabrikmäßigen Herstellung von Ofenkacheln über. Die Geschirrfabrikation und das Ofensetzen gab Johann Wallner auf.

1898

Mit dem Bau eines neuen Gebäudes sowie eines vergrößerten Rundofens konnten Produktion und Sortiment deutlich erweitert werden. Aber bereits 1906 war die Produktionsanlage wieder zu klein und musste um einen weiteren Neubau vergrößert werden. Im Jahr 1910 fand in Regensburg die Kreisausstellung der Industrie statt. Dort erhielt der Betrieb von Johann Wallner die silberne Medaille für hervorragende Leistungen. In der Kriegszeit ab 1914 kam der Betrieb nahezu zum Erliegen. Einzig Frauen und Kriegsgefangene hielten den Betrieb notdürftig aufrecht.

1919

Der Betrieb ging durch Kauf an die neu gegründete "Tonofenfabrik Wallner AG" über. Die Gründer dieser Fabrik waren: Martin und Hans Zehendner aus Mitterteich, Christian Seltmann aus Weiden und Johann Wallner aus Tirschenreuth. Zu Vorstandsmitgliedern wurden Johann Wallner und Hans Lindner bestellt.

1989

Andreas Wallner, ein Sohn der Familie Wallner, gründete ebenfalls eine Kachelfabrik in Tirschenreuth an der Mitterteicher Straße.

1908

Dieser Betrieb wurde von Adolf Ansbacher aus Nürnberg übernommen, der über eigene Vertriebsstätten in Nürnberg und München verfügte. Unter dem neuen Firmennamen "Alma" wird die Produktion weitergeführt. Ziel der neuen Geschäftsleitung war es, besonders hochwertige, kunsthandwerkliche Kacheln zu produzieren. Ein altes Musterbuch zeigt die besondere Qualität dieser künstlerisch wertvollen Kacheln und Kachelöfen.

In dieser Zeit entstand auch der Begriff der "Almarer." Dabei handelte es sich um die Mitarbeiter der Firma "Alma". Später wurden daraus die "Almerer" mit dem Ortsteil "Alm".

Am 01. Mai 1930 übernahm die Wallner AG die Geschäftsanteile der Firma "Alma" von der letzten Besitzerin, Frau Else Weilheimer aus Nürnberg.

1920

Die Firma "Zeitler & Gretsch" kaufte an der Falkenberger Straße die Massemühle der Porzellanfabrik Tirschenreuth, um Braungeschirr herzustellen.

1921

Gründung einer Verkaufsniederlassung in Nürnberg durch die "Wallner AG". Im Dezember des gleichen Jahres stirbt das Gründungsmitglied, Herr Christian Seltmann.

Ofen N°.38 aus einem Musterbuch um 1920
1920

Ofen N°.38 aus einem Musterbuch um 1920

1926

Am 01. August übernimmt die "Wallner AG" auch die Firma "Zeitler & Gretsch" an der Falkenberger Straße. Durch technische Umstrukturierungen werden unter der Marke "Bavaria" feuerfeste Tonkochgeschirre hergestellt.

1927

Im März stirbt der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, der Landesökonomierat Hans Zehendner. Am 30. Juni scheidet Johann Wallner aus dem Unternehmen aus, welches er 37 Jahre lang führte und mitgestaltete.

1929-30

Im November kauft die "Wallner AG" die stillgelegte Glashütte "Bloch und Arnstein" mit Wohnhäusern "An der Glashütte" in Tirschenreuth.

Am 01. November 1930 musste der "Wallner Betrieb" aufgrund der Weltwirtschaftskrise stillgelegt werden. Dadurch wurde auch der größte Teil der Belegschaft erwerbslos.

1880-1890 - Realismus

Tirschenreuther Kachelöfen in Kunst- und Stilepochen am Beispiel der Fabrik "Alma"

Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen

1880-1910 - Historismus/Jugendstil

Tirschenreuther Kachelöfen in Kunst- und Stilepochen am Beispiel der Fabrik "Alma"

Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen

1910-1930 - Art Déco/Bauhaus

Tirschenreuther Kachelöfen in Kunst- und Stilepochen am Beispiel der Fabrik "Alma"

Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen
Kachelofen

1931-2018 - Geschichte Teil 2

Die Geschichte der Keramik- und Kachelindustrie

1931

Auf der Suche nach neuen Absatzgebieten, um Beschäftigungen für die "Gefolgschaften" der Ofenfabriken zu beschaffen, wurde eine Niederlassung in Erfurt gegründet. Zwecks besserer Auslastung der Braungeschirrfabrik wurde ein weiteres feuerfestes Geschirr, außen braun - innen weiss, unter der Marke "Flammentrotz" in die Fabrikation aufgenommen.

1933

Im Herbst wird die Kachelproduktion in der ehemaligen Glashütte wieder aufgenommen, jetzt ging es wieder aufwärts, die Kachelproduktion läuft an.

Ofenkachel Ofenkachel
1934

Im Besitz der "Tonofen Wallner AG" waren:

  • Braungeschirrfertigung, Falkenberger Straße
  • Kachelproduktion, Franz-Böhm-Gasse
  • Kachelproduktion "An der Glshütte"
  • Tonofenfabrik "Alma", Mitterteicher Straße
  • Steingutfertigung, Mitterteich

Ofenabschlüsse Ofenkachel Ofenkachel Ofenkachel
Am 29. Dezember 1936

...wurde beschlossen, die "Wallner AG" in eine offene Handelsgesellschaft unter dem Namen "Keramische Werke Zehendner & Co." umzubenennen.

1954

In der Falkenberger Straße erfolgte die Umstellung auf Tunnelöfen. Es wurde nur noch Porzellan gefertigt.

1968

Ein Großbrand legt die gesamte Porzellanproduktion still.

1989

Die Familie Zehendner scheidet aus dem Unternehmen aus. Die Geschäftsanteile werden durch die Familie Bäumler übernommen.

1992

Trennung der Betriebssparten "Kachel und Porzellan" in zwei eigenständige Firmen - "Keramische Werke Zehendner" und "SMCS Porzellanfabrik Tirschenreuth"

1994

An der Einsteinstrasse entsteht vor den Toren der Stadt Tirschenreuth eine neue moderne Produktions- und Vertriebsstätte für Kacheln und Kachelöfen.

1998

Insolvenz und Stillegung der Porzellanfabrik "SMCS Porzellanfabrik Tirschenreuth"

2002

In der Falkenberger Straße erfolgte die Umstelung auf Tunnelöfen. Es wurde nur noch Porzellan gefertigt.

2002 - Stillegung

...der Keramischen Werke Zehendner GmbH & Co. KG zum 31.Oktober.

2002 - Neugründung

...der Firma "Zehendner Keramik GmbH" durch die Investoren Dötsch und Regner durch Kauf der Produktionsstätte und des Vertriebsgebäudes der Kachelfabrik Zehendner in der Einsteinstrasse.

2014

Übernahme der Firma Walbersdorfer Ofenkachel "WOK" aus Österreich/Burgenland.

Kachelofen Kachelofen
Heute

...hat sich das traditionsreiche, handwerklich geprägte Unternehmen auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Keramikverkleidungen für Kaminöfen jeglicher Art, keramischen Ofenkacheln, Heizkörperverkleidungen und Sanitärkeramik spezialisiert. "Zehendner Keramik GmbH" zählt heute mit seiner technisch aufwändigen Produktion zu den modernsten Kachelherstellern Europas mit höchsten Qualitätsstandards.

Ergotherm - ergonomisch gekachelte Sitzbank
2014

Exklusiv für Kunden, die das Besondere suchen fertigt Zehendner die Serie "Ergotherm". Keramische Sitzbänke und beheizte Wohnmöbel sorgen für ein einmalig angenehmes Sitzgefühl und natürliches Raumklima. Die ergonomisch angepasste Rückenlehne ist voll auf die Bedürfnisse der Kunden angepasst.

Ergotherm - ergonomisch gekachelte Sitzbank
2014

Neben Ofenkacheln fertigt die Zehendner Manufaktur "Made in Germany" handwerklich hochwertige, zeitlos schöne Waschtische und Futtertröge aus Feinsteinzeug.

Heute

...gibt es von den ehemals vielen Keramik- und Kachelfabriken in Tirschenreuth nur noch die Firma "Zehendner Keramik GmbH". Die wechselhafte Geschichte sowohl in der Porzellan- als auch in der Keramikproduktion zeigt die ständig steigenden Ansprüche der Verbraucher und Veränderungen im Konsumentenverhalten.